top of page
Image by Clay Banks

Autodidaktiukum

Vom Selbstlernen zum Selbststudium

Das Wort Autodidakt (gr. autos = selbst; gr. didaskein = lehren) wird heutzutage selten verwendet, und wenn, dann meist in einem künstlerischen Zusammenhang. Denn die Tage der Selbstlerner sind seit Einführung der Schulpflicht gezählt und können sich daher nur auf außerschulische Themen beziehen. Gleiches gilt für das Hochschulstudium: ohne Abitur kein Studienplatz, ohne Schein kein Sein an der Universität. Wer das stark verschulte Curriculum nicht absolviert, wird zur Prüfung nicht zugelassen. Wer sich der Forscher-Hierarchie nicht anpassen will oder kann, steht trotz brillanter Ideen außerhalb des Systems. Dem Autodidakten haftet das nicht-formale, nicht-dazugehörende Etwas an, das ihn zum Paria unter den Akademikern macht. Es sei denn, der unkonventionelle Seiteneinsteiger ist bereits formal Teil des Systems. Der berühmte Evolutionstheoretiker Charles Darwin war Theologe, nicht Biologe, der Sprachforscher Grimm Jurist. Der uns meist nur als Dichter bekannte Friedrich Schiller hatte Medizin studiert, wurde aber Professor für das Fach Geschichte, das er sich autodidaktisch aneignete. Seine Antrittsvorlesung zur Universalgeschichte ist heute noch lesenswert und drückt den akademischen Freigeist besser aus, als es heutige Theoriepapiere könnten.

Was ist unter einem Autodidaktikum zu verstehen?
Es sind sowohl der Ort, die Zeit als auch der Zustand des Selbstlernens, die darunter verstanden werden können.

Autodidaktikum als Ort
Prinzipiell können Autodidakten überall und auf den Lernwegen ihrer Wahl lernen. Das stille Kämmerlein bietet Schutz und Ruhe, das private Gelehrtenzimmer die notwendige Ausstattung. Doch die für manche notwendige und von ihnen auch vermißte Struktur und Ordnung fehlt, wenn man alleine lernt. Ein Raum, eine Ausstattung, eine Routine, die außerhalb des Alltäglichen ist, verleiht dem Selbstlernen mehr Ernsthaftigkeit.

Autodidaktikum als Zeitspanne

Es spricht alles für lebenslanges Lernen, alles für eine immer tiefer- und weitergehende Spezialisierung. Aber wie ein Praktikum sollte auch ein Autodidaktikum einen zeitlich begrenzten Rahmen haben. Der Endpunkt könnte das Erreichen des Zieles, die Beantwortung der Fragestellung, die gewonnene Erkenntnis sein. Oder aber eine zuvor festgelegte Zeitspanne, in der man sich einem Thema widmet, ohne in die Gefahr des sich-verlierens zu geraten.

Autodidaktikum als Zustand
So, wie ein Student oder Studentin mit der Immatrikulation an einer Universität in den Zustand eines akademischen Bürgers wechselte, so erfährt auch der Autodidakt eine Zustandsveränderung. Allein das Bewusstsein, ein Selbstlerner zu sein und auch anerkannt zu werden, wirkt sich auf die eigene Motivation und Leistungsbereitschaft aus. Daher ist es insbesondere für das  Selbststudium wichtig, sich seines Zustandes bewußt zu sein.

Aus dem Vorgenannten ergibt sich eine gewisse Abhängigkeit des Autodidakten von anderen, eine scheinbare Verringerung der angestrebten Unabhängigkeit. Autodidakten werden und müssen nicht das Rad neu erfinden, sie können sich - sinnvollerweise - fast aller Hilfsmittel und Lernmaterialien bedienen, die auch anderen zur Verfügung stehen wie z.B. Lehrbücher und Monographien, Filme, Fachzeitschriften - die unendlichen Möglichkeiten des Internets. Doch die Grenzen liegen dort, wo ein Laboratorium benötigt, eine Werkstatt erforderlich oder der Zugang zu einem wissenschaftlichen Handapparat unabdingbar wird. Neben den theoretischen Grundlagen gilt es auch, sich Fertigkeiten anzueignen, für die es einer gewissen Hinführung und Anleitung bedarf.

In der My-Adademy ist das Autodidaktikum der Ort, wir bieten die für das Selbststudium geeigneten Räume. Durch das sechs Monate dauernde  Semester (mit der Möglichkeit zum jederzeitigen Einstieg) wird ein Zeitrahmen gesetzt, der auch in kleinere Abschnitte unterteilbar, aber ingesamt begrenzt ist. Das wichtigste Element des Autodidaktikums in der My-Academy ist die Zugehörigkeit und damit die Versetzung in den autodidaktischen Zustand als Selbstlerner. Durch persönliche Anleitung und Mentorin wird der Selbstlerner in seinem Selbststudium begleitend unterstützt. 

 


 

bottom of page